Aus: "Pluto, der unbekannte Planet" (1992)
Fortsetzung 22.

Für eine jede Seele, die verweltlicht ist, bedeutet nämlich die wahre Liebe zu Gott anfänglich ein beinahe unüberwindbar erscheinendes Hindernis. Sie ist ja durch ihre Liebe zur Welt von Gott völlig entfernt, regelrecht „entfremdet“. So hat zwar manche Seele – wenn sie noch nicht gar zu sehr ins Fleisch übergegangen ist – eine dumpfe Ahnung von dem Vorhandensein eines übergeordneten göttlichen Wesens, aber sie hat nichts weniger als irgendeine bestimmte, anschauliche Vorstellung von diesem Wesen.
Jene dumpfe und äußerst unklare Ahnung von Gott rührt von dem in der Seele liegenden göttlichen Lebensfunken her. Da jedoch die Seele wegen ihrer Weltliebe keinen Kontakt zu dem Gottesfunken hat, so kann sie auch nicht aus ihm einen besseren und anschaulicheren Gottesbegriff ziehen.

Lernt eine solche Seele dann durch allerlei bittere Erfahrungen, daß sie ihre Weltliebe besser aufgeben sollte, so fängt mit der Einsicht sich auch der göttliche Geistfunken zu regen an. Damit wird der Seele es mehr und mehr bewußt, daß es Gott ohne jeden Zweifel gibt; sie fühlt Seine Hand, sie erkennt Seine Ordnung, aber sie kann noch zu keiner klaren Anschauung Seiner Selbst gelangen.
Das immer lebendigere Bewußtsein der göttlichen Allgegenwart bringt die Seele so mit der Zeit (allerdings einer sehr, sehr langen Zeit!) dahin, ohne Zweifel an den göttlichen Geist zu glauben, auch durchaus an die göttliche Geduld, Erbarmung und an eine gewisse göttliche Liebe.
Doch bleibt dies alles nur eine noch weiterhin recht nebelhafte Vorstellung von dem göttlichen Wesen. Daß Gott in Seinem innersten Wesenskern ein Mensch ist, allerdings ein höchst vollkommener, der allen Seinen Menschenkindern ein liebevollster Vater sein will, diese Vorstellung liegt der verweltlichten Seele immer noch sehr fern. Das hängt natürlich auch damit zusammen, daß sie – durch eigene Schuld – Gott bis dahin gar nicht als die väterliche Liebe Selbst kennenlernen konnte.

Zudem ist in solchen Seelen die Eigenliebe so groß, daß es für sie kaum möglich ist, sich in eine gottergebene, kindliche Liebe hineinzuversetzen.
Erst wenn die Eigenliebe durch die bitteren Erfahrungen so manchen harten Stoß versetzt bekommen hat, bricht der Panzer, den sie um den Seelenkern gebaut hat, allmählich zusammen. Damit wird dann die ganze Seele empfänglicher für die weichen Regungen der wahren Liebe zu und aus Gott.
Diese innerliche Weichheit und Empfänglichkeit für die Regungen der göttlichen Liebe sind aber unbedingte Voraussetzung, um die göttlichen Liebegebote in der rechten Art und Weise verstehen und befolgen zu können!

Deshalb ist es übrigens heutzutage auch gar nicht verwunderlich, daß fast alle Menschen überhaupt nicht begreifen, was damit wirklich gemeint ist: Gott über alles zu lieben, und welche Verheißungen in dieser Liebe liegen. Der Panzer der Eigenliebe, den sie um ihre Herzen gebaut haben, verhindert, daß sie die Strahlen dieser Gottesliebe in sich wahrnehmen können, die Wärme, die von dem göttlichen Wort ausgeht. So können sie wohl die Botschaft der Liebe mit ihren Leibesaugen lesen und mit ihren Leibesohren hören, aber die Ausstrahlung der in Meinen Worten enthaltenen Liebe können sie gar nicht mehr empfinden, und abermals „sind ihre Herzen verstockt“.