Aus: "Pluto, der unbekannte Planet" (1992)
Fortsetzung 33:

Die Versetzung der Seelen auf die höchsten Bergesspitzen wird von ihnen übrigens nicht etwa als eine Strafe empfunden. Sie sind im Gegenteil anfangs überaus froh, nicht mehr an dem mühseligen Leben der Pluto-Menschen teilnehmen zu müssen, andererseits aber auch noch in ein materielles Leben eingebunden zu sein. Sie hängen ja noch sehr – zu sehr – an der Materie, und darum genießen sie ihren neuen Zustand recht ausgiebig, liegt ihnen doch nun “die Welt zu Füßen”, sie aber haben in ihrer luftigen Höhe eine große Freiheit und sind ansonsten auch recht gut versorgt. Das Einzige, was ihnen gewaltig fehlt, das ist ihr altvertrauter, noch rein materiell gewesener Körper. In ihrem jetzigen, viel leichteren Leib fühlen sie sich gleichsam “halbnackt” wegen ihres noch zu starken Dranges nach der Materie.
Daher bemühen sie sich dann sehr, ihre ehemaligen Körperbestandteile wieder heranzuholen und sich dadurch wieder mehr in das alte, geliebte Materielebenz hineinversetzen zu können. Sie denken am Anfang ganz ernstlich, wenn sie nur ihren so schön materiellen Körper noch hätten, dann könnten sie in ewiger Freiheit und Glückseligkeit leben.
In dem Maße jedoch, wie ihnen die ersten Körperteilchen zufließen, verlieren sie an Leichtigkeit und werden immer etwas schwerer, das heißt, ihr sehr luftig-leichter Körper verdichtet sich durch die hinzukommenden Materieteilchen aus dem einstigen Körper. Infolge ihrer stets dichter und fester werdenden Gestalt können sie sich auf den obersten Höhen nicht mehr halten und sinken allmählich immer tiefer hinab auf die Oberfläche des Planeten. Natürlich geht auch dieser Vorgang nur sehr langsam vor sich.

Da den noch immer recht weltlich gesonnenen Seelen ihr so freier Zustand auf den Bergesspitzen mittlerweile doch etwas zu langweilig geworden war, so sind sie über die “Abwechslung” ganz erfreut und erhoffen sich in diesem neuen Zustand wieder das Beste. Bald merken sie aber auch hier, daß ihnen immer noch Vieles zum großen Glück fehlt, zumal ihre Freiheit nun auch schon etwas eingeschränkter ist infolge der größeren und festeren Stofflichkeit.
Also wird die Sehnsucht nach einem dauerhaften Glückszustand immer größer. Die meisten Seelen richten ihr Augenmerk dann umso stärker auf die Rückgewinnung ihres Körpers in der Hoffnung, dadurch zu größerer Kraft und besseren Möglichkeiten zu kommen. Aber je öfter es geschieht, daß sie mit jedem weiteren Stückchen ihrer alten körpereigenen Materie nur wieder etwas tiefer sinken und noch mehr Bewegungsfreiheiten verlieren, desto nachdenklicher werden sie alle, die Einen etwas eher, die Anderen erst, wenn sie schon beinahe in den tiefsten Tälern angelangt sind.